mein #KultBlick – mittendrin statt nur dabei


Mit Freude nehmen auch wir an der Blogparade #KultBLICK teil, initiiert vom Archäologischen Museum Hamburg, in Kooperation mit Kultur Museum Talk von Tanja Praske.
„Wir“ ist eigentlich meine Praktikantin Anja Schmidbauer, die seit Wochen hier tolle Arbeit leistet. Wie ihr Auge als Kunsthistorikerin in der PR-Agentur einen neuen #KultBLICK erhielt, erzählt sie hier:

Anja fotografiert eine Claudius-Büste

Anja und Claudius lernen sich kennen: Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg.

mein #KultBlick – mittendrin statt nur dabei

Als ich das Thema „Mein Kulturblick“ und die unterschiedlichen Fragestellungen dazu gelesen habe, gingen in meinem Kopf etliche Schubladen auf. Kultur ist doch irgendwie alles, was wir tun, wie wir sprechen, leben, denken, mit anderen Menschen interagieren, ja selbst, wie wir essen (es heißt ja nicht umsonst „Esskultur“). Unsere Kultur baut in erster Linie auf unserer Vergangenheit auf, allerdings wird sie fortlaufend von gegenwärtigen sozialen Gegebenheiten umgeformt. Religion und Evolution sind meiner Meinung nach die beiden Grundpfeiler, die den Prozess Kultur am Leben halten und überhaupt erst ins Leben gerufen haben.

herausforderung der kulturellen vielfalt

Ich denke, bei Kultur handelt es sich um ein sich ständig wandelndes Phänomen, das sowohl Fort- als auch Rückschritte machen kann. Denken wir nur mal an die deutsche Sprache: Man nennt Deutschland das Land der Dichter und Denker. Allerdings entwickelt sich der Sprachgebrauch in eine, sagen wir mal, primitive Richtung. Während die einen scheinbar vom Sprechen ermüdet sind und weitgehend auf Artikel und Pronomen verzichten (z.B. „Lass mal Kino gehen“), initiieren die anderen eine ganz neue Rechtschreibung und grammatikalische Gesetzte. Beispiele, denen auch ich zugegebenermaßen schon mehrfach schmunzelnd verfallen bin, sind die Ausdrücke „I bims“ und „vong … her“ (wer den „neuen Sprachstil“ noch nicht kennt, findet im Internet zahlreiche Einträge und Erklärungen, unter anderem bei namhaften Nachrichtendiensten …).

kultur als berufung

Man könnte das Thema Kultur auf zahlreichen Gebieten endlos ausweiten. Also wo anfangen, wo aufhören? Als studierte Kunsthistorikerin und Archäologin fiel mir die Entscheidung dann doch relativ leicht. In den vergangenen sechs Studienjahren habe ich mich intensiv mit Kultur auseinandergesetzt, primär mit der bildenden Kunst. Auch wenn es mir schon vorher klar war, musste ich am Ende meines Studiums schmerzlich feststellen, dass Kunst und Kultur einen Stellenwert angenommen haben, der es mir als Kunsthistorikerin nicht einfach macht, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Aber wie es der Zufall so will, hat sich mir eine Tür und damit neue Perspektiven geöffnet. Über Bekannte lernte ich Rebecca Hümmer von der PR-Agentur hümmer kommunikation in Würzburg kennen, ebenfalls studierte Archäologin und Kunsthistorikerin.

kultur als beruf

Anja Schmidbauer Porträt Glücklicherweise suchte sie gerade nach einem/r PraktikantIn, der/die sie bei ihren Großprojekten unterstützt. Eines davon war das STRAMU – Europas größtes Straßenmusikfestival. Ein kulturelles Ereignis, bei dem ich nicht nur dabei, sondern Teil des Teams war, das das Festival überhaupt erst möglich gemacht hat. Drei Tage lang trafen 19 Nationen in der Innenstadt von Würzburg aufeinander – quasi eine kulturelle Veranstaltung mit kulturellen Begegnungen. Ich konnte mir vor meinem Praktikum kaum vorstellen, angesichts meiner Ausbildung einmal für die Öffentlichkeitsarbeit und Social Media Plattformen einer so großen Veranstaltung verantwortlich zu sein – eine Erfahrung, die mich definitiv bereichert hat.
Neben Projekten wie dem STRAMU fand ich allerdings auch zu meinen Wurzeln zurück: Bei hümmer kommunikation durfte ich mich um die Social Media Plattformen und die Öffentlichkeitsarbeit des Martin von Wagner Museums in der Würzburger Residenz kümmern. Das Museum besteht aus einer Gemäldegalerie und einer Antikensammlung. Für beide galt es, sie in der Öffentlichkeit präsent zu machen – in der heutigen Zeit, in der das Interesse an Kunst stark nachgelassen hat, nicht unbedingt immer eine leichte Aufgabe. Wie es nun mal so ist, müssen auch Kunst- und KulturwissenschaftlerInnen mit der Zeit gehen und ihr Arbeitspensum auf die digitale Medienwelt ausweiten. Social Media Plattformen sind fest in unserer Kultur verankert (woran sich so schnell auch nichts ändern wird) und üben großen Einfluss auf unsere Gesellschaft aus (wie eben auch auf den Sprachgebrauch). Daher kommen wir nicht darum herum, die Öffentlichkeitsarbeit auf diverse Online-Kanäle auszulagern, um auch das jüngere Publikum zu erreichen.

mein neuer #KultBLICK

Ich muss gestehen, es hat mich anfangs genervt, dass sich inzwischen auch Institutionen wie Museen an der Welt von Facebook und Co. orientieren müssen, allerdings hat mir die Art und Weise, damit zu arbeiten, mit Menschen zu kommunizieren, Feedback durch Klicks oder Likes zu bekommen viel Spaß gemacht. Aber das Schönste, was ich in meinem Praktikum erfahren habe, war die Abwechslung. Kultur ist eben nicht einfach nur das, was man in Vitrinen ausstellen oder an die Wand hängen kann, sondern spielt sich permanent um uns ab und bietet für eine Kunsthistorikerin doch mehr Potential, als nur die Arbeit im Museum.


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