weltfrauentag – ein tag der kommunikation


ein tag nur für frauen?

„Of course, women must earn less than men because they are weaker, they are smaller, they are less intelligent […]“.
„Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, denn sie sind schwächer, sie sind kleiner und sie sind weniger intelligent […]“.
Janusz Korwin-Mikke im Europaparlament Anfang März 2017

Hier könnte man gleich nachfragen, ob unterdurchschnittlich große, weniger intelligente (Maßstab?) Männer auch weniger verdienen sollten, wenn sie vergleichbare Jobs wie ihre Geschlechtsgenossen ausüben. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, ich sehe mich als Feministin und setze mich in dem mir möglichen Rahmen für die Emanzipation der Frau ein. Dieser Synchronismus aus Gesinnung und Profession in der Kommunikation sind es, die mich den Weltfrauentag am 8. März in diesem Kontext behandeln lassen.

eine sache der kommunikation

Frau stehend sieht auf einen Globus in ihrer HandÜber die Geschichte des Tages – es ging um das Frauenwahlrecht, die Deutsche Clara Zetkins spielte eine große Rolle, alles nachzulesen in den Links unten – will ich mich nicht auslassen. Ebenso wenig über die Notwendigkeit des Kampfes, den diese Frauen führten. Heute dreht er sich nicht mehr um das Wahlrecht (wäre ja noch schöner), sondern um die anderen größeren (s. Zitat oben) und kleineren Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlungen, die Frauen- und Menschenrechte betreffen.

„Muss man das heute noch diskutieren“, fragen die einen. „Es ist noch längst nicht alles erreicht“, sagen die anderen (mich eingeschlossen, das nur nebenbei). Egal, welcher Seite man sich mehr verpflichtet fühlen sollte: Die Kommunikation rund um diesen Tag macht eine Diskussion erst möglich.

#weltfrauentag

Einmal im Jahr ist er eben in den internationalen Medien und hat dort unterschiedliche Hashtags (#weltfrauentag, #internationalwomensday, #frauentag) und mal mehr, mal weniger Gewicht.
Es wird debattiert, ob der Frauentag nicht besser zum „Familientag“ avancieren sollte (http://bit.ly/2n5vkgJ), es gäbe keinen „Kampf der Geschlechter“ (Sebastian Müller, http://bit.ly/2lS4hoP) wird in die Runde gerufen und sogar im Vatikan geht es um die interne Rolle der Frau (http://bit.ly/2lvIt6x).

die welt kommuniziert über frauen an diesem tag. oder auch nicht.

Ob diese Stimmen einen selbst nun nachdenklich zurücklassen oder nicht – es entsteht Öffentlichkeit, es wird Bewusstsein für ein Thema geschaffen; und sobald wir uns einer Sache bewusst geworden sind, fließt sie in unser Denken und schließlich auch in unser Handeln ein. Äußert sich das darauffolgende Handeln nun so, dass ein Shitstorm im Netz losgetreten wird, ist es natürlich nicht die wünschenswerteste Kommunikation zu diesem Anlass. Dennoch bietet sich dann die Gelegenheit einzugreifen, mitzumachen, sich einzubringen und sich selbst infolgedessen mehr damit zu befassen, andere Sichtweisen überhaupt erst wahrzunehmen und ggf. sich selbst weiterzubilden (im Postfaktischen wollen wir doch nicht verharren, oder?).

Die öffentlichkeitswirksame Kommunikation einer Sache dient ebenjener Öffentlichkeit, die sie erreicht, als Auslöser zum Nachdenken. Durch das kollektive Bewusstsein, in diesem Fall das Bewusstsein der bloßen Existenz des Frauentags, wird die gedankliche Welt jedes und jeder einzelnen zumindest beeinflusst, im besten Fall bereichert. Außerdem bietet der Tag Institutionen wie dem Vatikan (s. o.) einen Anlass, zu längst überfälligen Themata Stellung zu beziehen.

man kann nicht nicht kommunizieren.“

Halten wir es mit Paul Watzlawick, sind wir also alle dabei am Weltfrauentag. Auch, wenn wir nichts dazu sagen. Wenn wir uns heraushalten und beobachten.

In Italien feiert man die Festa della Donna. Als ich mich am 8. März in Florenz aufhielt und dort morgens nichtsahnend an meinem Schreibtisch saß, gab es tatsächlich von allen männlichen Kollegen ein Blümchen und eine Gratulation zu unserem „Ehrentag“. Eine nette Geste, ich habe mich gewundert und gefreut. Gebraucht hat es das nicht. Denn wofür wurde mir da gratuliert? Bestimmt nicht dafür, dass ich mich über die Stellung der Frau in der katholischen Kirche stundenlang echauffieren könnte; auch nicht dafür, dass ich gerne und oft über ein großes Binnen-I diskutiere.
Mit ziemlicher Sicherheit stellten sich aber auch damals in Florenz einige Menschen dieselbe Frage und fingen an zu verarbeiten … zu kommunizieren.

Links

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/156226/weltfrauentag-07-03-2013

https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Frauentag

http://www.rp-online.de/thema/frauentag/

http://www.zeit.de/gesellschaft/2011-03/frauentag-sexismus-rassismus

http://www.emma.de/thema/internationaler-frauentag