Ich bin durch meine Arbeit beim Projekt Digital Vereint aufs Fediverse aufmerksam geworden. Der Begriff war mir vertraut, aber ehrlich gesagt bin ich nie tiefer eingestiegen. Mittlerweile ist das Fediverse Teil unserer Social-Media-Workshops und ich dachte mir: Warum nicht mal reinschauen? Spoiler vorweg: Im (Berufs-)Alltag würde ich persönlich nicht auf’s Fediverse umsteigen und habe bisher auch keinem Auftraggeber dazu geraten. Trotzdem teile ich gerne meine Erkenntnisse – für alle, die genauso unbeleckt, aber neugierig sind. Ich versuche, so praxisnah wie möglich zu erklären, was es bedeuten würde, ins Fediverse „abzuheben“.

Fediverse – der  dezentrale Ansatz

Das Wort Fediverse setzt sich zusammen aus „federated“ (engl. „vernetzt“) und „universe“. Im Kern handelt es sich um ein Netzwerk aus vielen instanzierten Plattformen, die über ein offenes Protokoll (meist ActivityPub) miteinander kommunizieren. Anders als bei Facebook, X oder Instagram gibt es hier keine zentrale Firma, die alle Nutzerdaten einsammelt und auswertet. Stattdessen:

Auswahl an Fediverse-Plattformen

Hier eine Auswahl der bekanntesten Projekte und ein Beispiel-Link zu jeweils mind. einer öffentlichen Instanz:

 

So funktioniert die Verbindung der Plattformen im Fediverse

Im Test: Einstieg in Mastodon und PixelFed

Mastodon ist wohl die bekannteste Plattform des Fediverse, deswegen meldete ich mich dort an. Um zu testen, wie die Vernetzung funktioniert, lege ich mir außerdem einen Account in PixelFed an, weil ich Instagram mag und gerne das Fediverse-Pendant erkunden möchte.

Vor eine Herausforderung stellte mich gleich vor Beginn, welche Instanz ich denn nun für Mastodon wählen solle. Hier joinmastodon.org oder hier instances.social kann man sich umsehen.

Ich habe meinen Weg mit Screenshots begleitet.

Mastodon-Account anlegen

Ich habe mich für die Instanz mastodon.social entschieden. Dort habe ich auch @digitalvereint gefunden und es scheint wohl die größte unter den Instanzen zu sein.


Registrieren geklickt, Grundregeln erscheinen. Insgesamt prima (mit „Kasteismus“ habe ich sogar ein neues Wort gelernt), kommt aber auf die Umsetzung an. Wann wird ein Kommentar denn …-phob? Wer entscheidet das? Keine Verbreitung von irreführenden und falschen Infos ist auch prima; davon dachte ich aber, vor der Anmeldung schon einige auf Mastodon gesehen zu haben.


Danach kommt der übliche Prozess: Kontoeinrichtung, leider mit Geburtsdatum.

Mail-Adresse, verifizieren – klar.




Profil einrichten auf Mastodon. Schön finde ich, dass mein Profil auch „nicht entdeckt“ werden darf.


Da alles noch ziemlich leer war, schaue ich mal, was mir an Profilen zum Folgen so vorgeschlagen wird. Aha.


Pixelfed-Account anlegen 

Und los geht’s auf pixelfed.social. Registrierung ohne Geburtsdatum. Gut.


E-Mail-Bestätigung. Klar.


Ich bin drin. Angezeigt wird mir der Hund von dansup, der sich in seinem Profil als Developer von PixelFed zu erkennen gibt.


Auf dansups Profil angekommen, erkenne ich tatsächlich Instagram wieder: quadratische Bilder, klickt man drauf, kommt die Caption. Man kann mit Herzchen liken.


Pixelfed mit Mastodon verbinden

Zurück zu Mastodon. Finde ich hier das PixelFed-Konto von dansup? Ja tatsächlich! Und auch andere Accounts von ihm im Fediverse.

In meinem Feed erscheint jetzt chronologisch geordnet der Inhalt seines PixelFed-Accounts – aber eben auf Mastodon.

Auffälligkeiten bei der Benutzung der Fediverse-Plattformen

Die Suche-Funktion bringt nicht die Ergebnisse, die ich gerne hätte. Gebe ich z. B. „digital vereint“ mit Leerzeichen statt „digitalvereint“ ein, findet Mastodon nichts. Nach einigem Probieren habe ich herausgefunden, dass sich Themen besser recherchieren lassen, wenn man ein Hashtag vor einen Begriff setzt. Das setzt allerdings voraus, dass man sich beim Suchbegriff schon recht sicher ist.

Gut ist, dass der Algorithmus nicht sofort anfängt, loszuballern, sobald man sich angemeldet hat und alles Mögliche und Unmögliche anzeigt. Schlecht ist, dass man erst mal gar nichts sieht, bis man gezielt sucht. Jedes Mal aufs Neue; natürlich solange man nichts und niemandem folgt.

Wer jetzt denkt: „Klingt spannend – warum nutzt sie das dann nicht einfach selbst?“, für den oder die geht’s im nächsten Teil weiter.
Fediverse  Teil 2: Fediverse-Check: Hält es, was es verspricht?